Ausstellung im Wülfing- Museum zu Radevormwald
Intentionen zu meinen zu den Arbeiten:
Prof. Dr. Heinz-Jürgen Lorenz:
"Als Lehrbeauftragter und Honorarprofessor war ich bis zu meiner Pensionierung 18 Jahre im Fachbereich Gestaltungstechnik tätig. Die Schwerpunkte meiner Tätigkeiten lagen in den Bereichen: Technologie, Farbtheorie, Grundlagen der Gestaltung und der Kunst- Architekturgeschichte.
Über 15 Jahre, vor allem jetzt im Ruhestand, beschäftigte mich die Frage, ist es möglich, die historische Fresko- Technik auch als Tafelmalerei auszuführen. Arbeiten mit Kalk auf Leinwand ist technologisch nicht möglich. Als Architekt habe ich einige Bergische Fachwerkhäuser restauriert. Die Gefache bestanden aus Wurflehm, der als Außenhaut einen Kalkanstrich erhielt. Dieser Kalkanstrich war sehr stabil und schützte den Lehm vor zu großer Nässe. Die Überlegung auf einen ähnlichen Grund zu malen drängte sich auf. Die Intention, nicht auf Kalkputz wie üblich zu malen, hatte drei Beweggründe und entsprechende Faszinationen:
1. Technologisch:
Kalkfarbe wird üblicherweise mit natürlich-anorganischen Pigmenten (Erdfarben) abgetönt. Diese werden nicht, wie bei Öl- und Acrylfarben vom Bindemittel überflutet. Das Pigment liegt offen an der Oberfläche. Auch beim Lasieren mit Sinterwasser auf dem Malgrund Kalk entsteht der sogenannte „Lüstereffekt“, durch den die Oberfläche an Tiefe gewinnt und damit eine besondere Wirkung erzielt wird.
2.Ökologisch:
Kalk, vor allem Brandkalk aus einer Holzkalkbrennerei ist ökologisch den üblichen Bindemitteln der Malerei überlegen, denn Kalk ist CO² neutral. CO², das beim Brennen entweicht, wird durch die gemischte, chemische Trocknung in der Beschichtung wieder gebunden. Zur Verdünnung werden keine Kohlenwasserstoffe benötigt, die als schädliche Emission in die Atmosphäre entweicht, man benötigt zur Verdünnung nur Wasser. Selbst beim Recycling kann alles schadlos der Erde zurückgegeben werden.
3. Gestalterisch:
Die Fresken von der Romanik bis zur Renaissance zeigen häufig ornamentale oder floralen Motive. Linien oder Flächen sind in sich einfarbig ohne Farbübergänge oder Verläufe. Welche gestalterischen Möglichkeiten könnten sich in dieser Technik ergeben?
Langes experimentieren mit dem Malgrund führte bei mir zu Bachlehm, einem fetten, tonhaltigem Lehm, den ich auf verschiedene Leinwände aufbrachte. Im Ergebnis arbeite ich jetzt auf Naturjute und gesiebtem Bachlehm. Konsistenz und Trocknung muss beachtet werden, um Kalkmilch als Grundierung aufzubringen. Durch Modulieren der Oberfläche können Strukturen den Gestaltungsgedanken verstärken. Mehrschichtiger Auftrag der Kalkmilch oder bei Lasuren mit Sinterwasser ergeben eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. Die Pigmentierung erfolgt im Allgemeinen durch eingesumpfte Erdfarbenpigmente. Es dürfen dem weißen Bindemittel Kalk nur max. 10% an Pigmenten zugefügt werden. Dadurch entstehen zunächst pastellfarbene Abstufungen. Die Hellbezugspunkte liegen daher sehr nahe beieinander. Die aber durch mehrfaches Überlasieren zu stark gesättigten Farbflächen anwachsen können. Diese Vielfalt zu nutzen ist ein ständiger Prozess.
Ich sehe im Arbeiten mit Kalkfarben in unserer digitalen Zeit nicht etwas Rückwärtsgewandtes, sondern im „New Fresco“ eine weitere Möglichkeit freier Gestaltung."